Man sketching a business plan on a large board in office

Spielen Produkte eine Rolle?

Vor ungefähr 20 Jahren, als ich gerade damit anfing, in unserem Geschäft ein wenig Geld zu verdienen, besuchte ich ein Seminar. Es wurde von einem Autor veranstaltet, der ein Buch über das MLM geschrieben hatte. In einem Gespräch unter vier Augen teilte er mir mit, dass die Produkte eigentlich völlig irrelevant wären, und dass das Wachstum vom Marketingplan vorangetrieben wird.

Er meinte zu mir, wir alle könnten die Produkte jeden Monat kaufen und sie gleich in den nächsten Fluss werfen. Solange ein jeder in jedem Monat seinen Mindestumsatz erreicht, verdienen alle ihr Geld. Ich war jung und leichtgläubig, und da ich ihn für einen Experten hielt, nahm ich mir seinen Ratschlag zu Herzen.

Das war ein schlimmer Fehler…

Damals war ich für ein Unternehmen aktiv, bei dem man anstelle der monatlichen Produktbestellung auch einen Geschenkgutschein erwerben konnte. Da der monatliche Mindestumsatz 100 $ betrug, kaufte ich jeden Monat einen Geschenkgutschein über diesen Betrag.

Damals rauchte ich noch, das waren die Zeiten, als man dies noch an öffentlichen Orten tun konnte, ohne gleich erschossen oder festgenommen zu werden. Jeden Monat zündete ich mir bei meiner größten Geschäftspräsentation mit dem Geschenkgutschein eine Zigarette an und ließ ihn vor aller Augen verbrennen. Das war der Hit!

Ich erklärte dem Publikum, dass mich der Gutschein 100 $ gekostet hatte, und nannte die Höhe meines Bonusschecks (um die 10.000 $). Dann erklärte ich weiter, dass ich meinen monatlichen Scheck erhalte, solange ich nur einen Umsatz von 100 $ mache, selbst wenn ich den Geschenkgutschein verbrenne oder die Produkte in den Fluss werfe! Ich hielt diese Logik für unanfechtbar, und das war sie auch.

Allerdings gab es da zwei kleine Probleme.

Erstens war es illegal. Wir wissen heute alle, dass jedes Geschäft, bei dem man nur Produkte kauft, um sich zu qualifizieren, als ein Pyramidensystem angesehen wird – und diese sind weltweit in den meisten Ländern illegal.

Zweitens wurde der Wert der Produkte dadurch völlig herabgewürdigt. Wenn die Menschen die Produkte lediglich als ein Mittel betrachten, um an einen Bonusscheck zu gelangen, dann benutzen sie die Produkte nicht und entwickeln auch keine Beziehung dazu. Dann fehlt ihnen die emotionelle Bindung, die für den langfristigen Erfolg so wichtig ist.

Diese emotionale Bindung an die Produkte ihres Unternehmens motiviert die Vertriebspartner dazu, zu wachsen, und hindert sie daran, sich der nächsten heißen Geschäftsgelegenheit zuzuwenden, die um die Ecke kommt.

Doch damals wusste ich dies alles noch nicht. Also ließ ich meine Geschenkgutscheine in Rauch aufgehen und predigte die Macht des reinen Profitdenkens. Natürlich machten es mir die Leute auf meinem ersten Level nach. Sogar einige Nichtraucher machten es sich zur Gewohnheit, bei ihren eigenen Geschäftspräsentationen die Gutscheine in Flammen aufgehen zu lassen.

Das alles funktionierte prächtig bis zur fünften oder sechsten Ebene, denn diese Leute verdienten alle mehr als die 100 $, die sie monatlich ausgeben mussten. Die Probleme begannen auf den tieferen Ebenen, bei den Leuten, die noch nicht genug verdienten…

Das Ende des Monats kam und ging vorbei, ohne dass diese Leute eine Bestellung aufgegeben hätten. Als dann die Bonusschecks eintrafen, erhielten sie einen Anruf von ihrem überraschten und frustrierten Sponsor, der von ihnen wissen wollte, warum sie nichts bestellt hatten.

Ihre Antwort lautete: „Weil ich noch niemanden unter mir habe.“

Natürlich bestellten diese Sponsoren daraufhin im Folgemonat selbst auch nichts, da die Leute unter ihnen ja vielleicht auch nichts kauften, weil unter ihnen kein Volumen existierte. Der Schrumpfungsprozess begann ganz unten und breitete sich Level für Level nach oben aus. Es sah ganz so aus, als ob meine Organisation, deren Aufbau mich mehr als ein Jahr harter Arbeit gekostet hatte, sich innerhalb weniger Monate selbst zerstören würde.

Das Ausbluten konnte nur durch Unmengen hektischer Betriebsamkeit gestoppt werden. Ich begann damit, die Produkte wieder selbst zu nutzen, ich führte Produkt-Workshops und andere Aktivitäten durch, um den Wert der Produkte unter Beweis zu stellen.

Die Produkte spielen sehr wohl eine Rolle, und zwar eine große.

Die Produkte müssen für den Wachstumsantrieb im Geschäft sorgen. Die Menschen leben heute hektischer und lassen sich leichter ablenken als jemals zuvor. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist kurz und sie verlangen sofortige Belohnungen. Eine Menge Dinge stehen im Wettbewerb um ihre Zeit und ihr Geld.

Die beste Möglichkeit, sie bei der Stange zu halten, besteht darin, ihnen eine spürbare Produkterfahrung zu ermöglichen, die ihr Leben verbessert. Dadurch entsteht ein felsenfester Glaube, der ihre Begeisterung entfacht. Daraus erwächst Loyalität und daraus wiederum entsteht das Volumen.

Eine interessante Anmerkung…

Mit der Zeit habe ich erfahren, dass es sich bei dem MLM-“Experten“, der mich beeinflusst hatte, in Wirklichkeit um einen Parasiten handelte, der sich in unserem Geschäft seine Opfer sucht. Mit Hilfe seiner Seminare raubte er Menschen aus anderen Organisationen. Tatsächlich war er gleichzeitig in 20 oder 30 Firmen aktiv. Jedes Mal nahm er seine Leute in ein neues Unternehmen mit, wodurch er innerhalb weniger Monate an die Spitze des Vergütungsplans gelangte.

Währenddessen fragten sich alle anderen Vertriebspartner, wie er dieses rasante Wachstum hinbekommen hatte. Also, gingen Sie auf seine Seminare, stets in der Hoffnung, sein Geheimnis zu erfahren. Sie befolgten die von ihm propagierten Methoden, bis sie herausfanden, dass diese nicht funktionierten. Es handelte sich um reine Theorien. Er selbst wandte beim Gruppenaufbau niemals seine eigenen Theorien an, vielmehr betrieb er stets Raubbau an den Organisationen anderer Unternehmen.

Als die Menschen in seinem neuen Unternehmen schließlich dahinterkamen, dass seine Methoden nichts brachten, befand er sich schon auf dem Sprung hin zum nächsten. Und schon hatte er sich einer anderen Geschäftsgelegenheit angeschlossen und nahm zahlreiche Leute mit. Diese große Gruppe, die er mitbrachte, katapultierte ihn wieder an die Spitze des Marketingplans… diesen Prozess wiederholte er eins ums andere Mal.

Ob Sie es glauben oder nicht, es gibt so viel Start-Up-Unternehmen, die wie Pilze aus dem Boden schießen und genauso schnell wieder verschwinden, dass er mit dem Verkauf von Seminaren an ahnungslose Menschen viele Millionen verdient hat.

Für ihn funktioniert das, weil er die Vertriebspartner ausnimmt. Für Sie sollte so etwas ausgeschlossen sein.

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Geschäft eine solide Basis im Produktverbrauch besitzt, wenn Sie es langfristig aufbauen wollen. Wenn Sie für eine solche Teamkultur sorgen, bauen Sie sich ein starkes und solides Geschäft auf.

Um mehr darüber zu erfahren, welche Arten von Produkten am besten für das Network Marketing geeignet sind, lesen Sie das Kapitel über die Wahl des richtigen Unternehmens in meinem Buch Wie baue ich eine Multilevel-Geldmaschine“.

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8 Antworten

  1. Interessanter Artikel, egal welches Produkt ist verkaufe, ich muss mich mit meinen vertriebenen und angepriesenen Produkt identifizieren, das heisst, ich muss es selbst auch benutzen denn sonst leidet meine Glaubhaftigkeit und die des Produktes darunter.
    Denn wenn ich kein Vertrauen in mein Produkt habe – warum in alles in der Welt sollte ich dies dann von potentiellen Kunden erwarte.
    Liebe dein Produkt und sorge dafür dass dein Produkt einen Nutzen für deinen Kunden darstellt, dies ist meine Philosophie vom Verkauf.
    Herzliche Grüsse.
    Fritz Dominik Buri

  2. Hallo Herr Randy Gage,
    Herzlichen danke für diesen tollen Beitrag.
    Ich Alfred Zacher bin jetzt schon seit fast 2 jahren im Multilevelmarketing (MLM) tätig habe mich
    bei der Firma PM-International AG übers internet ein schreiben lassen von meinen Sponsor den ich
    heute noch nicht mal persönlich gesehen noch kenne. Habe kaufe mir auch die FitLine-produkte
    immer wieder, bloss mit den Team – und Kunden auf bauen habe ich gewaltige probleme. Es heisst man soll mit der 100 Liste arbeiten, bloss bin ich ein mensch der keinen freunde hat oder auch kennt. Sie finden auf meiner Firmen website die FitLine – produkte unter „wurde von Verlag gelöscht
    Der Bericht von ihnen ist super, und ich habe auch schon ihr Buch gekauft und gelesen Wie baue ich eine Multilevel- geldmaschine auf.

    Mit freundlichen grüßen
    Alfred Zacher

    1. Hallo Herr Alfred Zacher,
      ich arbeite auch seid 2 1/2 Jahren bei (******). Dass es Ihnen schwer fällt ein Team aufzubauen ohne einen Sponsor, der sie begleitet,…. ist nachvollziehbar. Kompliment für Sie, dass Sie immer noch dabei sind.
      Da Sie sich über das Internet eingeschrieben haben, fühlt sich für Sie keiner richtig Verantwortlich. Es liegt nicht an den Produkten, denn die sind klasse und einzigartig…
      Herr Zacher, an Hand Ihrer TP-Nummer kann *** ihren Sponsor ermitteln und kontaktieren, damit er sich um Sie kümmert. Denn das finde ich bei MLM sehr wichtig. Mal zusammen auf die Business-Akademie oder morgen zum Famely-Day nach Speyer fahren, Spass im Team haben, Erfahrungen austauschen, Andere mitnehmen und anstecken…
      *********** Ich wünsche Ihnen das Vertrauen zu Menschen um persönlich gute Beziehungen im Team aufzubauen…

      Mit freundlichen Grüßen
      Helene Deschner

    2. Sehr geehrter Herr Zacher,

      Bitte rufen Sie mich doch mal an. Meine Telefonnummer ist (sorry wir veröffentlichen hier keine Daten – sollte Hr. Zacher an Ihrer Nummer Interesse haben möge er uns bitte eine eine an Email info@mlm-training.com z.H. Hr. Kammerer – Betreff MLM Magazin senden, danke. Wir bitte um Ihr Verständnis!)

      Mit freundlichen Grüssen

      Hans Freivogel.

  3. Vielen Dank für diesen Artikel. Leider gibt es viele von diesen „Parasiten“. Ich nenne sie Hyänen, weil sie legal Leute über den Tisch ziehen und danach noch blöd über sie lachen…..

  4. Toller Artikel!
    Es gibt sicher noch viele andere Punkte, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden, aber es stimmt, dass viele Leute, die NUR wegen des Geld verdienens in eine Firma einsteigen, sich sehr schnell wieder verabschieden und quasi „gezwungen“ sind zum Network-Hopper zu werden.

    Gruss
    Thomas

  5. Diese Sorte Vertriebler kenne ich auch,
    erst TNI, dann Gekkoos und schon sind sie wieder woanders, teilweise waren sie erst bei Herbalife, ect.
    Ich selbst bin bei Forever Living Produkts und wir arbeiten in erster Linie nur über die Produkte, da wir die besten haben, auch unsere Kosmetikprodukte, die allesamt im Dermatest mit sehr gut beurteilt wurden, haben wir kein Problem, Das Starprodukt, die Aloe Gels zum Trinken und die Heatlotion, jeder der die probiert hat n will sie wieder, unsere Nachkaufrate erreicht 100% und das
    ist selten. Alle die über mir sind, bis hin zu Herrn Dietmar eichle, der inzwischen Double Diamond Manager ist, sind alle nur bei dieser Firma aktiv, benutzen die Produkte und sind begeistert und reichen diese Begeisterung weiter. Übrigens unsere Firma hat den Preis für das sozialste Networkmarketingsystem erhalten.
    Hildegard Pannucci

  6. Schade, wäre ich nicht in Prag, würde ich nach Mannheim fliegen.

    Randys Buch ist ein Muss.

    Interessanter Artikel. Eigentlich müsste es eine Ausbildung für MLM geben 😉
    Die Upline weiß auch nicht immer alles – manche erzählen evtl. auch einfach nicht alles.
    Es gibt diverse Ansichten (Produkt oder Geschäftsgelegenheit in den Vordergrund stellen? etc.)

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