Sie stehen vor einer der wichtigsten Reisen Ihres gesamten Lebens

Sie stehen vor einer der wichtigsten Reisen Ihres gesamten Lebens

Erich Kammerer
Lesezeit 5 Min.

Lesen Sie hier über Jack Canfield, den Gründer und Mitautor der New-York-Times-Bestsellerreihe „Hühnersuppe für die Seele“ – einen der bekanntesten Experten zu den Themen Selbstwertgefühl und Spitzenleistungen.

Sie stehen vor einer der wichtigsten Reisen Ihres gesamten Lebens: der Reise zu Ihrem eigenen Selbstvertrauen. Für Jack Canfield begann diese Reise ganz wörtlich – mit einem Flug nach Asien und einer Statue, die jahrhundertelang niemand richtig gesehen hatte.

Im Herbst 1988 waren Jack Canfield und seine Frau Georgia zu einem Vortrag über Selbstwertgefühl und Spitzenleistungen nach Hongkong eingeladen. Weil beide noch nie in diesem Teil der Welt gewesen waren, verlängerten sie die Reise und fuhren weiter nach Thailand. In Bangkok besuchten sie den Tempel des Goldenen Buddha.

Der Tempel selbst ist ziemlich klein. Umso überwältigender ist, was darin steht: eine Buddhastatue aus purem Gold, über drei Meter hoch und rund fünfeinhalb Tonnen schwer, die den Besucher freundlich und zugleich imposant anlächelt.

Doch so sah der Buddha nicht immer aus. Jahrhundertelang war er unter einer dicken Schicht aus Gips verborgen.

1957 – so erzählt Canfield die Geschichte – wollte eine Gruppe von Mönchen die Statue an einen neuen Ort bringen, weil ihr Kloster einer Stadtautobahn weichen musste. Als ein Kran den Buddha anhob, bekam die Gipsschicht unter dem enormen Gewicht einen Riss. Gleichzeitig begann es zu regnen. Der oberste Mönch ließ die Statue wieder absenken und mit einer Plane abdecken.

Am Abend wollte er noch einmal nach dem Rechten sehen. Er leuchtete mit einer Taschenlampe unter die Plane, und als der Lichtstrahl den Riss traf, kam von dort ein schwaches Glimmen zurück. Er holte Hammer und Meißel und begann, den Gips vorsichtig abzutragen. Viele Stunden später stand vor ihm ein Buddha aus massivem Gold.

Historiker gehen davon aus, dass siamesische Mönche die Statue einige Hundert Jahre zuvor mit Gips überzogen hatten, um sie vor einem burmesischen Heer zu verstecken. Keiner der Mönche überlebte den Angriff. Das Geheimnis blieb bewahrt, bis die Taschenlampe es wieder ans Licht brachte.

„Eigentlich gleichen wir alle diesem Gipsbuddha“

Auf dem Rückflug ließ Canfield die Geschichte nicht los. Sein Gedanke:

„Eigentlich gleichen wir doch alle diesem Gipsbuddha, mit unserer undurchdringlichen, aus Ängsten geformten Umhüllung. Doch darunter befindet sich in jedem von uns eine goldene Essenz, die unserem wahren Selbst entspricht.“

Wer kleine Kinder beobachtet, sieht, was Canfield meint. Zwei- oder Dreijährige lachen viel, haben eine enorme Vorstellungskraft und erleben das Leben als großes Abenteuer. Sie zeigen ihre Liebe, schämen sich nicht für Gestern und fürchten sich nicht vor Morgen. Wenn sie etwas wollen, fragen sie danach. Und wenn die Antwort Nein ist, fragen sie noch einmal.

Irgendwann zwischen dem zweiten und neunten Lebensjahr, so Canfield, beginnen wir uns zu verschließen. Nicht absichtlich, sondern unter dem Einfluss von Eltern, Lehrern, Trainern und anderen Vorbildern. „Fass das nicht an.“ „Das kannst du nicht.“ „Warum hast du eine Zwei und keine Eins?“ „Was bildest du dir eigentlich ein?“ Niemand meint es böse. Aber Satz um Satz entsteht der Gips.

Wie verbreitet das Problem ist

Die meisten von uns halten ihr eigenes Selbstwertgefühl für ganz in Ordnung. Probleme damit, denken wir, haben andere. Canfield sieht das anders. In seinem Programm „Maximales Selbstvertrauen“ nennt er Zahlen aus den USA: Zwei Drittel aller Amerikaner hätten ein zu geringes Selbstwertgefühl, nur 35 Prozent hielten sich für fähig, mit den Herausforderungen des Lebens fertig zu werden.

Wie weitreichend die Folgen sind, beschrieb die bekannte Psychologin Dr. Joyce Brothers: Das Selbstwertgefühl beeinflusse, welchen Partner wir wählen, welchen Beruf wir ausüben, wie viel wir verdienen, welche Freunde wir haben und wie andere uns behandeln.

Das Thema beschäftigte sogar die Politik. 1987 richtete der Staat Kalifornien eine eigene Arbeitsgruppe zu Selbstwertgefühl und sozialer Verantwortung ein. Sie sollte herausfinden, welche Rolle das Selbstwertgefühl bei Problemen wie Schulversagen oder Abhängigkeit spielt.

Norman Vincent Peale, Autor von „Die Kraft positiven Denkens“, brachte es Jahrzehnte zuvor auf den Punkt:

„Ohne ein bescheidenes und doch vernünftiges Vertrauen in Ihre eigenen Fähigkeiten können Sie weder erfolgreich noch glücklich sein.“

Die Poker-Chip-Theorie

Warum das Selbstwertgefühl so viel entscheidet, erklärt Canfield mit einem Bild aus seiner Jugend. Als er das Pokerspielen lernte, fiel ihm auf: Hatte er viel Geld vor sich, setzte er mutig. Hatte er wenig, spielte er vorsichtig.

Angenommen, Sie sitzen in Las Vegas am Pokertisch. Sie haben 100 Chips, Ihr Gegenüber nur 10. Wer wird vorsichtiger spielen? Ihr Gegenüber. Verliert er fünfmal zwei Chips, ist er raus. Sie könnten fünfzigmal verlieren und wären immer noch im Spiel.

Genauso, sagt Canfield, ist es mit dem Selbstwertgefühl. Wer viele Chips hat, macht mit: hält die kleine Rede vor den Kollegen, meldet sich im Meeting zu Wort, führt das nächste Verkaufsgespräch, fragt nach der Beförderung. Und wenn er zurückgewiesen wird, verliert er ein paar Chips und bleibt trotzdem im Spiel. Wer wenige hat, hält sich zurück.

Wer im Network Marketing arbeitet, kennt diese Rechnung. Jedes Nein kostet ein paar Chips. Entscheidend ist, wie viele man hat, wenn das nächste Gespräch ansteht.

„Im Hafen ist ein Schiff sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.“

E + R = A

Eines der bekanntesten Werkzeuge Canfields ist eine einfache Formel: E + R = A. E steht für die Ereignisse in unserem Leben, R für unsere Reaktion darauf und A für die Auswirkung.

Die Ereignisse können wir oft nicht ändern. Die Absage, die Kritik, der Termin, der platzt. Was wir in der Hand haben, ist das R in der Mitte. Wer mit einer Auswirkung in seinem Leben unzufrieden ist, so Canfields Rat, sollte zuerst auf die eigene Reaktion schauen und nicht auf das Ereignis.

Kritik wie im Aikido

Ein weiteres Prinzip hat Canfield aus dem Aikido übernommen, einer Kampfkunst, in der man nicht gegen den Angriff drückt, sondern seine Energie aufnimmt und umlenkt. Übertragen auf Gespräche heißt das: Wer kritisiert wird, verteidigt sich nicht sofort, sondern nimmt den Einwand auf. Canfield beschreibt, wie sich hitzige Diskussionen dadurch oft drehen und der andere plötzlich bereit ist, auch den eigenen Standpunkt anzuhören.

Selbst Jack Canfield war einmal nervös

Bei seinem ersten Vortrag war Canfield alles andere als souverän. Er mühte sich ab, auf seine Notizen zu schauen, ins Publikum zu blicken, verständlich zu sprechen, unterhaltsam zu sein und gleichzeitig an die wichtigsten Punkte zu denken. Heute, erzählt er, kann er es kaum erwarten, auf die Bühne zu gehen. Das Selbstvertrauen kam nicht vor dem ersten Schritt, sondern danach. Mit jedem gewagten Schritt wuchs der Vorrat an Chips.

Der „Totale Wahrheitsprozess“

Ein Teil des Gipses, so Canfield, besteht aus Gefühlen, die wir nie ausgesprochen haben: Ärger, Schuld, Traurigkeit, Selbstzweifel. Mit seinem „Totalen Wahrheitsprozess“ zeigt er, wie man diese Gefühle so ausdrückt, dass niemand verletzt wird, um am Ende bei Verständnis, Vergebung und Anerkennung anzukommen, statt alles weiter mit sich herumzutragen.

Ziele, die wirklich die eigenen sind

In einem seiner Workshops saß ein Anästhesist, der 350.000 Dollar im Jahr verdiente. Eigentlich wäre er viel lieber Mechaniker geworden, aber er wusste, dass seine Mutter dagegen war. Er hatte jedes Ziel erreicht, nur nicht seines.

Für Canfield ist das ein typisches Bild: Viele Menschen verfolgen Ziele, die Freunde, Familie oder Gesellschaft für richtig halten. Deshalb gehört zu seinem Programm auch die Frage nach der eigenen Lebensaufgabe, und zehn Schritte, um Ziele zu setzen und zu erreichen, die wirklich zu einem passen.

Wie sehr ein klares Ziel Türen öffnen kann, hat Canfield selbst erlebt. Ende der 1970er-Jahre suchte er einen Weg, ein Buch bekannt zu machen, und wusste: Ein Artikel in einer großen Zeitschrift wie „Reader’s Digest“ oder „National Enquirer“ würde Millionen Leser erreichen. Für Anzeigen fehlte ihm das Geld, und bei „Reader’s Digest“ wollte man nicht einmal einen Artikel von ihm. Er blieb trotzdem an seinem Ziel dran. Kurz darauf hielt er am Hunter College in New York einen Vortrag vor 800 Zuhörern. Danach sprach ihn eine freie Journalistin an, die ihn interviewen wollte. Ihr wichtigster Auftraggeber: der „National Enquirer“.

Was sonst noch im Programm steckt

Canfields Seminar enthält eine ganze Reihe weiterer Werkzeuge: einen Satz aus 14 Wörtern, den er sich sagt, wenn ihn jemand kränkt oder seine Ideen für verrückt erklärt. Die zwei Dinge, nach denen sich Kinder sehnen, um ihr Selbstwertgefühl aufzubauen, und warum die Familie Kennedy eines davon bei jedem Abendessen pflegte. Eine Übung, die zeigt, warum sich unser Kopf lieber auf das Negative konzentriert als auf das Positive. Und ein einfaches Stück Papier, das man in der Tasche bei sich trägt und mit jedem Erfolg um ein weiteres ergänzt.

Am Ende läuft alles auf das Bild vom Anfang hinaus: Der Mönch hat dem Buddha nichts hinzugefügt. Er hat nur weggenommen, was das Gold verdeckt hat.

Zum Weiterhören

Die Geschichten und Werkzeuge in diesem Beitrag stammen aus Jack Canfields Audioseminar „Maximales Selbstvertrauen“. Das Programm umfasst über sechs Stunden und ist als MP3 sofort zum Herunterladen erhältlich.

Zum Audioseminar

Text: Erich Kammerer, Life Success Media



Erich Kammerer

Gründer und Geschäftsführer von Life Success Media

Warenkorb
Nach oben scrollen

Search anything