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Aufschieberitis

Lass mich Dir eine Geschichte von jemandem erzählen, der große Hoffnungen in seine Zukunft setzte, dem aber seine Aufschieberitis dazwischen kam.

Das ist die Geschichte über Johnny.

Johnny stammte aus New Jersey. Er ging halbtags zur Schule, die er Jahre später vorzeitig verließ, um als Verkäufer zu arbeiten. Darin war er ein sehr guter. Jeden Tag um die Mittagszeit besuchte er dasselbe Lokal. Er setzte sich stets auf denselben Platz und bestellte immer dasselbe Essen. Das lässt den Schluss zu, dass er entweder keine Experimente mochte oder aber das Essen so gut war, dass er es jeden Tag zu sich nehmen wollte. Beides stimmt nicht. Er mochte die Kellnerin, deshalb ließ er es sich nicht nehmen, jeden Tag um dieselbe Zeit dieses Lokal aufzusuchen. Stets gab er der Kellnerin ein üppiges Trinkgeld, doch aus den paar üblichen Worte schaffte es Johnny nicht, näher auf sie einzugehen. Er war von ihrer Schönheit so fasziniert, dass ihm einfach der Mut fehlt und darüber hinaus die Angst im Spiel war, durch ein forsches Vorgehen ihre Sympathie zu verlieren.

Über Wochen ging das so, bis zu dem Tag, als Johnny das Lokal nach dem Essen verließ und sich über sich selbst ärgerte, dass er es wieder einmal nicht geschafft hat, mit ihr private wie liebevollere Worte auszutauschen. Nun aber war er fest entschlossen, da zu ändern. Morgen, so sagte er sich, wolle er sie zum Essen einladen. Doch daraus wurde nichts. Der Tag verlief wie alle anderen Tage auch. Denn außer ein paar Worte zur Bestellung blieb er ihr gegenüber stumm.

Wieder sagte er sich danach, dass ändern zu wollen. Diesmal wollte er klären, warum ihm im richtigen Moment der Mut verließ. Er kam zu der Erkenntnis, dass er für sie nicht gut genug sei. Deshalb nahm er sich vor, wieder zur Schule zu gehen, um seinen Abschluss nachzuholen, obwohl er auch sehr gutes Geld verdiente. Doch das Minderwertigkeitsgefühl war an dieser Stelle größer. Zudem versprach er sich in die Hand, ins Fitness-Studio zu gehen, um seinen Körper wieder in Form zu bringen. Auch wollte er mehr Geld verdienen, was er nicht für unmöglich hielt, da er sich ja insgesamt besser aufstellen wird, geistig wie körperlich. Er gab sich dafür ein Jahr Zeit. Danach wolle er sie um eine Verabredung bitten. Er hatte vor, sich über das Jahr nicht in dem Lokal blicken zu lassen. Stattdessen wollte er ihr, ganz altmodisch, jeden Tag einen handgeschriebenen Brief schreiben, der, ebenfalls „Old-School“ vom Briefträger übergeben wird.

Dieser Plan war in Stein gemeißelt.

Schon am nächsten Tag schrieb er sich im Fitness-Studio ein. Er ging wieder zur Schule und belegte Kurse. Auch schaffte er es, eine besser bezahlte Arbeit anzunehmen. Die Monate vergingen, während mit jedem Tag sein Handeln mehr Früchte trug. Wie versprochen, übergab er jeden Tag dem Briefträger einen handgeschriebenen Brief. Dann war das Jahr vorüber. An diesem letzten Tag schrieb er folgendes: „Nun, ich werde nächsten Freitag kommen. Ich werde dich um eine Verabredung bitten.“ Obwohl sie auf keinen einzigen Brief geantwortet hatte, rechnete er sich hohe Chancen bei ihr aus. Schließlich brachte er jetzt alles mit, was ihm einst fehlte: Eine gut bezahlte Arbeit, ein Schulabschluss, einen durchtrainierten Körper, ein schickes Auto und eine Wohnung. Darüber schrieb er ihr in dem Brief, den er mit diesem Satz beendete: „ Alles wird großartig werden, und ich möchte mit dir ausgehen.“

Als er in das Lokal kam und sie ihn sah, lief sie zu ihm rüber und umarmte ihn, und er sagte: „Wow, das ist ein gutes Zeichen.“ Danach setzte er sich auf seinen alten Platz, um, wie immer, dasselbe Essen zu bestellen. Er sagte: „Nun, du weißt, warum ich hier bin. Wirst du dieses Wochenende mit mir ausgehen?“ Sie sagte: „Ich würde ja gerne, aber ich kann nicht.“ Er sagte: „Warum kannst du nicht?“ Sie sagte: „Ich habe mich gerade verlobt.“ Er sagte: „Mit wem hast du dich denn verlobt?“, und sie sagte: „Mit dem Postboten.“

Während Johnny sich vorbereitete, kam der Postbote zur Sache.

Schiebe nichts auf. Schiebe nichts vor dir her. Du musst es einfach machen, weil du sonst deine Träume verlierst.

Aufschieberitis ist dein ärgster Feind. Ein Feind, der es in sich hat. So hat das SINUS-Institut in einer Studie zum Aufschiebeverhalten der Deutschen im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“  des des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) herausgefunden, dass acht von zehn Deutschen (82 Prozent) schon finanzielle, berufliche oder gesundheitliche Nachteile erlitten, weil sie wichtige Dinge auf die lange Bank geschoben haben.

Ein Drittel der Deutschen bezeichnet sich als Aufschieber. Gehöre nicht länger zu dieser Gruppe. Fange an, das zu tun, was zu tun ist. Damit gefährdest du weder dich, noch deinen Wohlstand und andere. Darüber hinaus wirst du befreiter leben, dass mit jeder erledigten Aufgabe das schlechte Gewissen schwindet.

Das ist Lebensqualität pur.

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