marcus-lofvenberg-467360-unsplash

Die Macht der persönlichen Authentizität

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print
Share on whatsapp

Hast du in den Nachrichten schon einmal die Bilder kleiner Kinder in unterentwickelten Ländern gesehen? Ist dir aufgefallen, wie glücklich sie wirken (wenn sie nicht gerade hungern oder krank sind)? Hast du dich auch gefragt, wie dies sein kann? Wie können Kinder mit so wenig Dingen – und mit so wenig Zukunft, trotzdem glücklich, sorglos und voller Freude wirken und dabei so viel Authentizität an den Tag legen? Erinnerst du dich noch an deine Zeit als Kind im Alter zwischen drei und zehn Jahren? Weißt du noch, wovon du damals geträumt hast? Was war deine Lieblingsbeschäftigung? Lieber spielen als lernen oder umgekehrt? Kannst du dich heute erinnern, welche Träume du im Hinblick auf deinen Beruf gehabt hast? Was wolltest du „werden“? Weißt du noch, was dir damals sehr wichtig war? Freundschaft? Familie? Natur? Spielen? Lernen? Kochen? Abenteuer? Kreieren? Basteln? Reden?

Kinder sind die einzigen Menschen, die auf diesem Planeten das höchste Maß an Authentizität zeigen.

Für uns als Kinder war doch alles möglich. Geht nicht, gab es nicht wirklich. Wir glaubten, alles haben zu können, wonach wir verlangten. Nun gut, wir mussten unsere Eltern länger darum bitten, doch hartnäckig wie wir damals waren, gaben wir niemals auf. Überhaupt spielte Zeit für uns keine Rolle. Wir wollten jetzt alles haben und nicht irgendwie. Morgen war so weit weg für uns, wie die Zeit zwischen Ostern und Weihnachten. Also holten und taten wir es sofort. Die Welt war unsere Glaskugel. Es konnte gar nicht anders sein. Nicht weil wir rücksichtslos und egoistisch waren, sondern weil unsere schiere Existenz die Welt zu unserem Süßwarenladen gemacht hat, in dem wir ein unbegrenztes Guthaben hatten.

Aus diesem perfekten Kokon entwickelten wir ein natürliches und permanentes Muster an Vorlieben darüber, wie wir unsere Existenz erleben wollten. Einige von uns wollten Abenteuer, andere Sicherheit; einige wollten kreativ werden, andere wollten versorgt sein. Dies sind die Vorlieben, die in der heutigen Psychologie oft als zentrale Werte genannt werden – die Werte, die unser Glück, unseren Frieden und unsere Macht definieren. Solange wir diese Dinge tun können und diese Vorlieben erfassen, befinden wir uns in unserem Fluss und das Leben ist schön – egal ob wir sind 7 oder 67 sind.

Wo aber ist unser kindliches Verhalten von einst geblieben?

Gerade, als wir begonnen hatten, dieses Fließen zu erleben – nicht lange, nachdem wir gelernt hatten, zu kommunizieren, unsere Möglichkeiten zu entdecken und an Lebenserfahrung zu gewinnen – nahm eine mächtige Kraft (in den meisten Fällen zwei mächtige Kräfte) in unserem Leben Form an. Diese beiden großen und mächtigen Kräfte waren der Schlüssel unserer Existenz. Sie stellten das Fundament zur Verfügung, in dem unsere grundlegendsten Bedürfnisse erfüllt wurden: Unterkunft und Nahrung. Diese beiden „Giganten“, die jede Sekunde unseres Daseins durchdrangen, waren unsere Eltern.

Eltern haben gewöhnlich immer gute Absichten. In erster Linie wollen sie, dass es uns gut geht und wir es eines Tages besser haben sollen als sie. Gut gemeint ist nicht immer auch „gut gemacht“. Denn bei all dem Guten, für das sie standen, standen sie uns bei unserer Entwicklung zur Persönlichkeit buchstäblich im Weg. Natürlich unbewusst, weil sie uns vor den Gefahren schützen wollten. Am liebsten hätte sie uns in Watte gepackt, bevor wir auf die Straße gingen. Bei allem Respekt vor ihrer Leistung, doch so viel „Liebe“ ist eher hinderlich als nützlich. Ihr Verhalten bremste uns Schritt für Schritt aus, sodass es immer weniger realistisch wurde, unsere Träume leben zu können.

Noch einmal: Unsere Eltern konnten nicht anders als so zu handeln. Sie hatten Erziehung genauso wenig gelernt, wie Millionär werden. Die meisten Eltern haben an Kursen wie Erziehung, Kindheitspsychologie und Authentizität teilgenommen. Leider aus gutem Grund. Wer heute über 50 Jahre alt ist, wird wissen, dass es in unserer Kinderzeit gar nicht die entsprechenden Kurse gab. Darüber hinaus folgt die Elternschaft der Natur und handelt intuitiv. Doch in der modernen Welt sind die Anforderungen andere als die in freier Natur. Insbesondere wenn es um den Beruf geht, der dafür sorgt, dass das Einkommen für ein gutes Auskommen reicht. Deshalb waren viele Eltern bestrebt, ihr intuitives Verhalten um den Bereich „Wissensvermittlung“ zu erweitern. Damit wollten sie sicherstellen, dass ihre Kinder so werden wie sie. Sie z. B. im richtigen Glauben aufgezogen werden, die richtigen Gewohnheiten entwickeln, die richtige Ethik an den Tag legen und die richtigen Fähigkeiten entwickeln, um, wie erwähnt, mehr Chancen am Arbeitsmarkt zu haben.

Insofern fehlte es nie an Belehrungen, getreu dem Motto: „Solange du deine Füße unter unserem Essenstisch stellst, tust du, was wir dir sagen. Vergiss nie: es ist nur zu deinem Wohle. Du kannst es aufgrund deines jungen Alters noch nicht erkennen, warum wir bestimmte Dinge von dir fordern, doch sei sicher, eines Tages wirst du uns sehr dankbar sein, dass wir dich auf diesem Weg gebracht haben..“ Und wie es nun einmal so ist mit den Wiederholungen konditioniert sich unser Unterbewusstsein wie gewünscht, je öfter es immer wieder mit denselben Sätzen belehrt wird. Diese „auferlegten Werte“ machen es sehr schwer, sich im späteren Leben neu auszurichten. Doch muss man sich dieser Herausforderung stellen. Steht schon in der Bibel:

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“

Dieses Himmelreich ist symbolischer Natur. Es verspricht ein schöneres Leben auf Erden mit weniger Sorgen und Problemen. Das ist möglich, indem die Menschen sich wie Kinder verhalten. Natürlich ein  metaphorischer Ansatz auf die Leichtigkeit des Seins abzielt. Mehr selbst- als fremdbestimmt leben, darum geht es.

Eltern, mit ihrer überlegenen Kraft als Versorger durch Nahrung und Unterkunft, sind keine fairer Sparringspartner für ein Kleinkind, das noch keine Werte außer den natürlich vorhandenen Vorlieben hat. Dies erschafft einen unvermeidlichen Konflikt zwischen auferlegten und zentralen Werten.

Und so beginnt der Prozess des „Nicht Authentisch-Werdens“. Es begann mit dem ersten „sollte“, wie z. B. : „Du sollst dies tun.“ Du musst das tun.“ „Hast du jenes schon getan, um das ich gebeten hatte?“ Zudem zogen wir immer die Kleidung an, die für uns jeden Morgen und jeden Abend herausgelegt wurde. Wir wurden nicht gefragt, welche Kleidung wir tragen wollten, wir hatten zu tragen, was uns aufgetragen wurde (im Sinne von Befehl). Durch diese Befehle, die nichts anderes wollen, als das sich ein Kind den Eltern innerhalb der Familie unterordnet, wurden die grundlegenden Werte unterdrückt. Unterdrückt bedeutet nicht „aufgelöst“. Sie sind tief ins Unterbewusstsein herabgesunken. Nur so war es möglich, den  Befehlen zu gehorchen. Schließlich wurden wir auch dazu erzogen, Liebkind zu sein. Denn dann war uns die Anerkennung durch die Eltern sicher. Dieses „Liebkind“-Verhalten wird auch nicht nach dem Tod der Eltern abgelegt. Die Angst, sie zu enttäuschen, geht weit über den Tod der Eltern hinaus. Hier spielt die Psyche eine gewichtige Rolle, weshalb es eben nicht so einfach ist, dass alte Verhalten von heute auf Morgen abzulegen.

Du siehst, wie hinterlistig und leistungsstark deine interne Programmierung ist?

Wer damit ein Problem hat, steht vor der Frage, wie er im übertragenen Sinne die alten Schichten gebrauchter Kleidungsstücke der Eltern ausziehen kann. Durch Authentizität. Authentizität ist die Wiederentdeckung und die Befreiung unserer zentralen Werte. Manchmal sind es die gleichen wie manche der Werte, die unsere Eltern verkörpert haben. Und es gibt immer irgendwelche unterdrückten Kernwerte, die darum kämpfen, losgelassen zu werden.

Je mehr wir unser Leben im Einklang mit unserer eigenen Melodie führen, desto authentischer, friedlicher und mächtiger sind wir.

Um dich bei der Wiederentdeckung deiner zentralen Werte und deiner Authentizität zu unterstützen, bitte ich dich darum, die folgenden Fragen ehrlich zu beantworten:

  • Was für ein Mensch würdest du sein und was würdest du am liebsten tun, wenn es niemanden gäbe (niemanden … nicht deine Eltern, Großeltern, angesehene Lehrer, Kollegen, Freunde, usw.) der dir Vorschriften gemacht hätte?
  • Welche Kleidung würdest du tragen? Welchen Hobbies würdest du nachgehen? Wie würdest  du deine Zeit verbringen und dein Geld ausgeben?
  • Wer wärst du, wenn du die uneingeschränkte Erlaubnis eines jeden Menschen hättest, der dich liebt und geliebt hat?

Fast immer wären wir jemand anderer,  als wir es derzeit sind. Fange daher jetzt – in aller Stille – an, dein Selbst durch Authentizität zu formen. Nicht aber von dem Punkt aus, wer du jetzt bist. Sondern wer du von deinem wahren Inneren her bist. Ziehe die Schichten ab. Lasse dein prachtvolles Ich hindurch scheinen. Beschreibe dein prachtvolles ICH im Detail. Schreibe es auf.

  • Wie siehst  du aus?
  • Wie fühlst du dich?
  • Was tust du am liebsten und wie tust du es?
  • Welche Dinge sind dir wirklich wichtig?
  • Was lässt dich frei sein?
  • Was gibt dir das beste Gefühl?
  • Wodurch gibst du dir die Erlaubnis, frei zu lieben?
  • Was inspiriert dich und setzt dich auf den Pfad der Großartigkeit?

Schreibe alles in der Gegenwartsform auf, um positive Bilder mit deinen Worten zu erstellen.

Bestätige dir diese Dinge. Lies täglich, was du notiert hast. Sammle Bilder, Musik und Zitate, um diese Dinge zu unterstützen. Übe es genauso wie deine Kinderreime ein, die Lieder und Gedichte, die du als Kind auswendig gelernt hast. Denke darüber nach, was „auswendig“ bedeutet. Es wird Teil dessen, wer wir sind, existiert in jeder Zelle unseres Körpers und ist an unseren Geist gebunden.

Dieser Prozess funktioniert, um die Schichten der Visionen abzulegen, die andere für dich hatten. So dass du deine wahre Essenz enthüllen kannst. Es funktioniert, weil der Prozess der Visualisierung deines neuen Ichs – unabhängig von deinen sinnlosen inneren Dialogen — im Laufe der Zeit dein emotionales, spirituelles und unbewusstes Selbst trainiert. So dass du es glaubst und akzeptierst.

Es funktioniert, weil es lediglich den kraftvollen Teil von dir trainiert und dich wieder leuchten lässt. Authentizität ist bereits in dir vorhanden und war schon immer da – aber eben noch von tausend nassen Tüchern zugedeckt.

Mein größter Mentor erzählte mir Ende der 70er Jahre, dass alle persönliche Macht aus Selbstehrlichkeit kommt. Ich denke, für Authentizität gilt das Gleiche. Wenn wir uns selbst erlauben, der oder die „einzig Wahre“ zu sein, lässt unserer persönlichen Kraft freien Lauf. Es ist fast wie ein außergewöhnlicher Prozess der Wiedergeburt.

Und du kannst sofort damit anfangen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren
weitere Artikel von Richard Brooke

Search anything