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„Garimpeiros“ im Network Marketing

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„Garimpeiros“ im Network Marketing

Robert Pauly Robert Pauly vor 4 Jahren
6 Minuten zum Lesen

Wurde auch in ihrer Firma schon das Thema Abwerbung diskutiert? Mit Sicherheit. Und bestimmt geht es in Ihrem Unternehmen nur nach den höchsten ethischen und moralischen Standards zu. Daher lassen Sie uns nicht über Ihre, sondern über die Garimpeiros in den anderen Firmen reden:

In den meisten Networks gibt es eine klare Trennung: Von Abwerbung ist immer dann die Rede, wenn Mitarbeiter aus dem eigenen Unternehmen zu einer anderen Firma abwandern. Steigen jedoch Partner eines anderen Unternehmens bei der eigenen Firma ein, dann handelt es sich darum, „den Menschen eine neue Heimat zu geben“.

Wie sich dieser doppeldeutige Standard auf unsere Branche und auf unser Geschäft auswirken, haben wir schon zur Genüge erlebt: Abmahnungen, Gerichtsprozesse, böses Blut und herbe Enttäuschungen sind die Folgen, die sich auf uns alle auswirken. Und natürlich können wir die Diskussion über Moral, hohe Wertmaßstäbe und über die bösen Anderen noch bis zum Sankt Nimmerleinstag fortführen.

Wie wäre es also, wenn wir stattdessen einfach verbindliche Verhaltensregeln festlegen würden?

Jedoch nicht für andere Menschen, deren Verhalten wir sowieso nicht beeinflussen können. Sondern für uns selbst. Denn die Bewertung, was richtig oder falsch ist, hängt nicht so sehr davon ab, was wir beim Verhalten Anderer für richtig oder falsch halten. Sondern davon, was für ein Mensch wir selbst sind bzw. sein wollen.

Ein passender Vergleich zu unserer Branche sind die „Garimpeiros“ im Amazonasgebiet:

Von diesen Goldsuchern werden, um an das begehrte Edelmetall zu kommen, weitere Quadratkilometer des Regenwaldes abgeholzt und Tonnen von Quecksilber in Flüsse und Boden geleitet. Dabei werden nicht nur bedrohte Tier- und Pflanzenarten gefährdet. Die abgelagerten Gifte haben bei den Kindern der dortigen Ureinwohner auch schon für Missbildungen und schwere Krankheiten gesorgt. Sprich, ein paar Wenige richten für viele Andere unverhältnismäßig große und langfristige Schäden an. Um einen verhältnismäßig kleinen und kurzfristigen Gewinn mitzunehmen.

Auf der Gegenseite finden wir Umweltschützer und Polizisten, die diesem Treiben entgegenstehen wollen. Und wenn wir nun von außen moralische Standards aufstellen wollen, werden wir zwei Antworten erhalten. Die Goldsucher werden uns wissen lassen, dass sie sich nicht um unsere moralischen Standards scheren. Die Umweltschützer werden uns erklären, dass sie keine solchen Standards bräuchten. Weil es für sie selbstverständlich sei, anderen nicht aus Eigennutz zu schaden.

„Ja, aber Robert – dann müsste die Regierung doch eigentlich viel massiver dagegen einschreiten!“

Müsste. Eigentlich. Vielleicht.

Allerdings ist das Interesse der Regierung von Surinam und Brasilien, woher die meisten der Goldsucher kommen, ziemlich begrenzt. Zum einen wird nicht im eigenen Land, sondern in Französisch-Guyana geschürft. Zum anderen erwirtschaften die Goldsucher (und der übliche anhängige Tross aus Händlern, Drogendealern und Prostituierten) damit ein gewisses Einkommen, welches wiederum ins Heimatland zurückfließt.

Solange es also keine klare Durchsetzung von Regeln gibt, wird dort jeder Mensch so sein, wie er sein will: Goldschürfer, die sich entschieden haben, für einen geringen Pro-Kopf-Profit relativ große Schäden zu hinterlassen. Umweltschützer und Polizisten, die sich entschieden haben, einen riesigen Pro-Kopf-Aufwand zu betreiben und doch nur relativ kleine Ergebnisse erreichen. Und natürlich eine breite Bevölkerung, die sich entschieden hat, der Umwelt nicht aktiv zu schaden. Aber auch nicht aktiv für sie einzutreten.

In unserer Branche sieht es ganz ähnlich aus:

Ein kleiner Teil aller Networker hat sich entschieden, sein Geschäft durch aggressives Abwerben aufzubauen. Ein weiterer kleiner Teil hat sich entschieden, diese Vorgehensweise durch aktive Gegenwehr zu bekämpfen. Der größte Teil baut sein Geschäft jedoch auf faire Weise auf, ohne dafür besondere Schulungen für Moral und ethisches Verhalten zu benötigen.

Dummerweise ist es aber – wie im Amazonasgebiet – der erst genannte kleine Teil, der den Ruf und die Sicherheit unserer Branche massiv schädigt.

„Ja, aber Robert – dann müssten doch die Network-Firmen eigentlich viel massiver dagegen einschreiten!“

Müssten. Eigentlich. Vielleicht.

Aber leider verhält es sich ähnlich wie beim berühmten Gefangenen-Dilemma: „Wenn ich es nicht mache, machen es die Anderen. Und ich will nicht hintenanstehen“.

Solange jedoch nicht alle Köpfe unserer Branche die Weitsicht haben, dass gezielt abgeworbene Vertriebspartner nur selten die erwarteten hohen Pro-Kopf-Gewinne einbringen, aber in den meisten Fällen hohe Pro-Kopf-Schäden erzeugen (indem sie durch ihre nächste Abwanderung für Unsicherheit, Unruhe und Abwerbung in den eigenen Reihen sorgen), wird sich in unserer Branche nicht viel ändern.

Die Entscheidung bleibt daher bei jedem selbst, wer bzw. wie er gerne sein möchte:

Ein kurzfristig denkender „Garimpeiro“, der zwar große Schäden hinterlässt, trotzdem aber meist nur kleine Gewinne erzielt? Oder ein Networker, der die Regeln der Fairness beachtet , weil er sich des nahezu unbegrenzten Potentials neuer Menschen bewusst ist? Und sich mit diesen ein langfristig großes und stabiles Einkommen aufbaut.

Übrigens gibt es auch einen nachvollziehbaren Grund, warum die Garimpeiro-Methode im Network nur selten erfolgreich ist:

Sollte der Versuch gelingen, eine größere Führungskraft abzuwerben, ist es selten der Fall, dass ein komplettes Team mitwechselt. Denn von rechtlichen Gründen abgesehen (die Führungskraft DARF Partner ab der zweiten Linie gar nicht für neue Geschäftsangebote kontaktieren), haben sich meisten Mitarbeiter für das alte Unternehmen entschieden. Und nicht dafür, zu einer neuen Firma zu wechseln.

Und selbst wenn wir es schaffen, diese Führungskraft UND einige Mitarbeiter abzuwerben, ist uns hierdurch meist nur eines gelungen: Menschen zu gewinnen, die nur wenig Loyalität an den Tag legen. Menschen, für die unsere Firma mit großer Wahrscheinlichkeit auch nur einen weiteren Durchgangsbahnhof darstellt.

Wer diese Perspektive für lukrativ hält, dem sei viel Glück gewünscht – er oder sie wird es brauchen . . .

Wollen Sie aber lieber ein dauerhaftes, schlagkräftiges und aufeinander eingespieltes Team aufbauen? Das mit Ihnen durch dick und dünn geht und auch in Zeiten stürmischer See aufrecht bleibt? Dann wollen sie ihr Glück vielleicht lieber bei den Millionen von Menschen versuchen, die noch nicht in unserer Branche tätig sind. Statt welkem Herbstlaub nachzulaufen, das vor Ihnen schon Andere an den Baum zurückkleben wollten.

Viel Erfolg mit der Entscheidung, die Sie für richtig halten, wünscht

Ihr Robert Pauly

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Robert Pauly
Robert Pauly

Robert Pauly verhilft als Coach seit über zehn Jahren Networkern zu mehr Erfolg. Sein beliebtes Schulungsmaterial (Bücher, CDs, DVDs) wird von erfolgreichen Führungskräften zur Mitarbeiterschulung eingesetzt.

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5 Kommentare

  1. Avatar
    Halina Stierle 19. August 2015

    Hallo lieber Herr Pauly,

    Sie sprechen mir aus der Seele – danek.
    Ich wachse lieber langsamer aber ethisch mit den Menschen, die sich mir anschließen wollen.
    Sobald ich höre, dass jemand in einem anderen Network tätig ist, ist meine Antwort:

    Wenn Sie darin glücklich sind und das verdienen, was Sie verdienen wollen, gibt es keinen Grund zu wechseln. Viel Erfolg!

    Herzlichst Ihre begeisterte Blog-Leserin
    Halina Stierle

    Antworten
  2. Avatar
    Peter Mischa Marxbauer 19. August 2015

    Hallo Robert,

    das sollte doch jedem klar sein, wenn er so Mitarbeiter gewinnt, dann wird er sie auf die gleiche Art verlieren. Oder? Außerdem sind die ja nichts wert, wenn sie sich dieser Art Illoyal dem alten Unternehmen gegenüber verhalten, dann kann ich die Uhr danach stellen, dass sie sich mir gegenüber als neuen Partner ebenso betragen werden. Keine guten Aussichten.

    Herzlichst, der Mischa

    Antworten
    1. Robert Pauly
      Robert Pauly 19. August 2015

      Hallo Mischa,

      besten Dank für Deinen Kommentar. In manchen Fällen soll es ja auch schon Unterschiede zwischen dem gegeben haben, was uns klar sein SOLLTE – und dem, was uns tatsächlich klar IST . . . 🙂

      Viele Grüße,

      Robert

  3. Avatar
    Holger Pfau 21. August 2015

    Jawohl Sir, drum laßt uns streben nach einem ehrenvollen Leben.

    Hallo lieber Herr Pauly,

    ich denke auch, daß eine bessere Welt immer nur bei uns selbst beginnen kann und schließe mich Ihrer Perspektive voll und ganz an.

    Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet,

    Holger

    Antworten
  4. Avatar
    Romaine Klein 4. Januar 2016

    Ich bin Beraterin für ENERGETIX Bingen und NUSKIN Enterprise. Bei mir vergeht auch kein Tag ohne, daß mich jemand in sein Geschäft ziehen möchte. Es stösst mir ziemlich sauer hoch, wenn ich so sehe wie es sich in unserer Branche entwickelt.

    Antworten

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