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3 Gedanken über „Gewinnen und Verlieren“

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3 Gedanken über „Gewinnen und Verlieren“

Robert Pauly Robert Pauly vor 3 Jahren
6 Minuten zum Lesen

Haben Sie außer Ihren finanziellen Zielen auch ein bestimmtes Fitnessziel? Wenn ja, dann geht es Ihnen wie vielen Menschen, für die Vitalität ein wichtiger Faktor ist. Aus genau diesem Grund war auch ich kürzlich noch zu einer Feierabendrunde mit dem Rennrad unterwegs:

Da es ein sonniger Abend ist, sind außer mir noch viele andere Sportler auf der Piste – einige Jogger und auch weitere Radfahrer. Oftmals entsteht hierdurch ein freundschaftlicher Wettbewerb, Läufer oder Biker motivieren sich gegenseitig, um das Tempo bei Laufen oder Fahren ein wenig anzuheben.

Der Mountainbiker, der vor mir herfährt, gehört allerdings nicht in diese Kategorie. Mit seinem schweren Rad und seinen breiten Reifen stellt er für mich keine Konkurrenz dar. Ich brauche mich daher nicht besonders anzustrengen, weil ich ihn ohnehin gleich ganz nebenbei überholen werde.

Einige Meter vor mir nimmt er die gleiche Abzweigung, die ich geplant habe und die eine mittlere Steigung hinaufführt. Beim Abbiegen sieht er nach hinten und erkennt, dass ich ihm folge. Vermutlich zum Spaß – er hat gegen meine Kraftausdauer und meine schmalen Rennreifen ohnehin keine Chance – beschleunigt er seine Fahrt. Dabei kann er den Abstand für einen Moment vergrößern. Aber wie gesagt, werde ihn ohnehin gleich überholen. Für eine außergewöhnliche Anstrengung besteht also keine Notwendigkeit.

Er wendet seinen Blick zu mir nach hinten, dann blickt er wieder nach vorne und erhöht sein Tempo nochmals. Der Abstand zwischen uns nimmt leicht zu. Nun erhöhe auch ich meine Trittfrequenz, um dem Unfug ein Ende zu bereiten.

Aber der Abstand bleibt gleich.

Er wendet seinen Blick nochmals zu mir, sieht dann wieder in Fahrtrichtung. Der Abstand erhöht sich wieder um ein kleines Stück. Kein Grund zur Sorge, ich habe noch jede Menge Reserven. Außerdem fahre ich mit dem leichteren und widerstandsärmeren Rennrad. Er kann mir gar nicht davonfahren. Ich erhöhe die Trittfrequenz erneut, schalte hoch, gebe mehr Kraft auf die Pedale.

Der Abstand bleibt gleich.

Er dreht sich um, sieht wieder nach vorne. Der Abstand vergrößert sich. Also gut, jetzt ist es wirklich an der Zeit, das Spiel zu beenden. Ich erhöhe die Trittfrequenz wieder, schalte jetzt um zwei Gänge nach oben und gehe in stehender Position in den Wiegetritt. Der Abstand bleibt immer noch gleich.

Er dreht sich um, blickt dann wieder in Fahrtrichtung und geht ebenfalls in den Wiegetritt. Der Abstand nimmt zu. Ich spüre bereits, wie mein Puls in den Schläfen zu pochen beginnt. Ich erhöhe den Druck in die Pedale nochmals, aber ich kann den Abstand nicht verringern.

Also beginne ich zu überlegen:

Bestimmt hat er ein besonders leichtes Rad. Außerdem ist es ja auch noch ziemlich heiß an diesem Abend. Vielleicht habe ich auch mehr Gegenwind als er. Es könnte auch sein, dass er ein kleineres Vorderrad eingebaut hat und daher nicht so steil bergauf zu fahren braucht, wie ich es muss.

Ich merke, dass ich dieses Tempo bei dieser Steigung nicht lange aufrecht halten werde. Meine Herzfrequenz ist am Anschlag, ich spüre, wie sich ein leichter Schwindel und der Hauch eines Brechreizes ankündigt. Jetzt wird mir bewusst: Vor mir muss sich ein Fahrer befinden, der auf lange Jahre intensiver Trainingserfahrung zurückblickt. Vielleicht sogar ein Profisportler. Da kann es natürlich schon mal vorkommen, dass man den einen oder anderen Meter abgeben muss.

Allerdings zeigt sich nun das Ende der Steigung. Oben angekommen, werde ich den Geschwindigkeitsvorteil meines Rennrades ausspielen und ihn auf der Ebene einGed- und dann überholen.

Zwei Minuten später habe ich ihn – mit meinen letzten Atemreserven – tatsächlich eingeholt. Jedoch nicht auf Grund meiner Trittkraft, sondern weil sich auf der Strecke eine Ampel befindet, die auf Rot geschaltet hat. Ich erreiche die Ampel, an der er sich bereits seit einiger Zeit abstützt. Kurz bevor ich ihn erreiche, hole ich noch einmal tief Luft, damit er mir meinen schweren Atem nicht sofort anmerkt. Mit betonter Lässigkeit grüße ich mit einem Nicken und dem Kommentar: „Hey, Du fährst ja ein richtig strammes Tempo!“

„Hahahaha – Danke – Hahahaha!“ lautet seine einzige Antwort. Er wirkt nicht so, als ob er sich besonders angestrengt hätte.

Kennen Sie diese Momente, in dem Sie Ihrem Gegenüber am liebsten . . . na, ja – Sie wissen schon . . . würden?

Selbstverständlich würde ich so etwas niemals tun. Schließlich bin ich . . . <räusper> . . . ein friedfertiger und zivilisierter Mensch, der seine Gefühle jederzeit unter Kontrolle hat. Ja, klar.

Aber jetzt folgt der wahre Grund, warum ich ihm für sein freches Grinsen nicht einfach eine verpasse . . . 

Dieser lautet: Weil ich mir Sorgen machen würde, dass ich mir die Hand verletzen würde. An der Zahnklammer des 13-jährigen, der mir hier gerade eine Lektion erteilt hat. Und eigentlich würde ich das Gespräch gerne noch für einen Moment fortsetzen, um herauszufinden, woher der junge Mann diese unglaubliche Leistung schöpft. Aber die Ampel schaltet auf Grün. Mein Weg führt geradeaus, er fährt rechts von der Straße ab und ist kurze Zeit später außer Sichtweite . . .

Welche drei Gedanken Sie aus diesem verblüffenden Erlebnis für Ihr Network-Geschäft mitnehmen können?

Erstens: Manchmal gibt es Momente, die wir einfach akzeptieren müssen. Willenskraft, eiserne Disziplin und die Kraft des Geistes in allen Ehren – aber hin und wieder entstehen Situationen, an denen wir nichts ändern können.

Zweitens: Falls wir an einer Situation nichts ändern können, kann es sinnvoll sein, das Terrain zu wechseln. Es gibt z.B. Menschen, die in der telefonischen Terminvereinbarung einfach lausig, im persönlichen Gespräch aber außergewöhnlich gut sind. Statt Schwächen zu verringern, sorgt das Ausbauen von Stärken oftmals für das bessere Ergebnis.

Drittens: Falls weder der erste, noch der zweite Punkt als sinnvolle Lösung erscheinen, tun Sie einfach, was auch ich in der obigen Situation getan habe: Sich selbst belügen und überzeugend klingende Ausreden finden.

Viertens: Überlegen Sie, ob Sie wirklich alle Erfolgstipps von jemandem übernehmen möchten, der noch nicht einmal richtig zählen kann.

 

Viel Erfolg – beim nicht alles allzu ernst nehmen – wünscht

Ihr Robert Pauly

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Robert Pauly
Robert Pauly

Robert Pauly verhilft als Coach seit über zehn Jahren Networkern zu mehr Erfolg. Sein beliebtes Schulungsmaterial (Bücher, CDs, DVDs) wird von erfolgreichen Führungskräften zur Mitarbeiterschulung eingesetzt.

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2 Kommentare

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    Danke Herr Pauly für den super Beitrag. Ich habe nicht nur etwas daraus gelernt sondern mich auch noch köstlich amüsiert.

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  2. Avatar
    Sigrun Stemmer 18. März 2016

    Die besten Geschichten schreibt das Leben 🙂 Vielen Dank, dass Sie das mit uns teilen. Auch ich konnte hier wieder von Ihnen lernen: mit Spaß und einem einem verschmitzen Grinsen im Gesicht fällt einem auch die eigene Unzulänglichkeit etwas leichter.

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