Steuern zahlen macht glücklicher

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Keine Sorge. Ich habe nicht zu viel getrunken, geschnupft oder gesessen. Auch habe ich mir keine Pillen eingeworfen, die diese meine Überschrift zu diesem Kapitel erklären würden. Ich meine es so, wie es ist. Ihre Reaktion darauf kann ich natürlich verstehen. Kaum ein Unternehmer und Networker, der beim Wort Steuern keine Hitzewallungen bekommt.

Wenn sie könnten, sie würden natürlich keine Steuern zahlen. Gleichzeitig aber wären sie die ersten, die die Infrastruktur des Staates nutzen, die durch Steuern finanziert wird. Aber diesen Gedanken verdrängen sie, wenn sie mit ihrem Porsche und Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn kacheln. Steuern sparen um jeden Preis, danach streben sie. Man muss ihnen dieses Verhalten auch ein stückweit nachsehen, weil es eben kein faires Steuersystem gibt. Während im unteren Einkommensbereich kaum Steuern anfallen, zahlen Spitzenverdiener über 40 Prozent. Fast immer gilt auch hier das Pareto-Prinzip. 80 Prozent des gesamten Steueraufkommens zahlen 20 Prozent der Bürger, während 80 Prozent der Bürger mit 20 Prozent zu den Staatseinnahmen beitragen.

Man kann es drehen und wenden wie man will, Steuern sind teuer. Wie allein schon aus dem Begriff „Steuer“ hervorgeht. Es besteht zu 5/6 aus Teuer. Doch alles jammern und lamentieren nützt nichts, da es sich um Gesetze handelt, die kaum ein Politiker ändern wird. Schließlich müsste er sich dann ja auch in seinem Gehalt bescheiden, da dieses ebenfalls aus Steuern gezahlt wird. Ich kenne niemanden, der dazu bereit wäre. Also wird das Thema totgeschwiegen, mindestens aber verdrängt.

Was soll ich an dieser Stelle groß schreiben? In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Das eine für, das andere gegen Steuern. Dabei bin ich klug genug zu erkennen, dass es eben ohne Steuern nicht geht. Also habe ich mich entschieden, mich nicht länger darüber aufzuregen, sondern in meinen Überweisungen an das Finanzamt mehr Freude als Wut zu sehen. Dafür habe ich auch eine einfache Erklärung. „Wer sein Geld nicht für den eigenen Nutzen ausgibt, ist glücklicher“, behauptet eine Studie der Universität British Columbia in Vancouver. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Höhe der Spende, sondern vielmehr um die Geste als solche. Die Wissenschaftler meinen, dass schon fünf Dollar am Tag reichen, um dem persönlichen Glücksgefühl einen Schub zu verpassen und eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit auszulösen. Die Forschungsgruppe unter Leitung der Psychologin Elisabeth Dunn befragte zunächst 600 Amerikaner. Den Ergebnissen zufolge sind Menschen, die ihr Geld „sozial“ ausgeben und Geschenke für andere kaufen oder an Hilfseinrichtungen spenden, glücklicher als Menschen, die ihr Einkommen vor allem für sich selbst ausgeben.

Ein weiteres Experiment bestätigt das Ergebnis. Die Wissenschaftler übergaben einer Gruppe von Probanden Umschläge mit Geld. Die Kuverts enthielten entweder 5 oder 20 Dollar. Die Beschenkten sollten das Geld innerhalb eines Tages ausgeben. Eine Hälfte der Teilnehmer wurde angewiesen, das Geld für sich selbst auszugeben. Die andere Hälfte musste das Geld für einen guten Zweck spenden oder für andere anlegen. Am Ende des Tages berichteten die Probanden, die ihr Geld nicht für sich selbst ausgegeben hatten, häufiger von einer gesteigerten Zufriedenheit, unabhängig davon, ob sie 5 oder 20 Dollar erhalten hatten. Damit bestätigt die Studie aus Vancouver ein ähnliches Experiment, welches im Wissenschaftsmagazin Science (Bd. 316) veröffentlicht wurde. Das Forscherteam um den Hirnforscher und Ökonomen Bill Harbaugh von der University of Oregon in Eugene konnte beweisen, dass Steuern zahlen (!) und Spenden das gleiche Belohnungszentrum im  Hirn aktivieren,  das  auch  aktiv ist, wenn  man selbst einen Zuwachs am eigenen Vermögen erwartet. Bill Harbaugh übergab einer Gruppe von Studentinnen je 100 Dollar, verbunden mit der Auflage, dass ein fixer Teil, bis zu 45 Dollar, für eine Stiftung von sozial Schwachen geleistet werden müsste. Die Forscher untersuchten daraufhin mit Hilfe der Magnetresonazbildgebung die Hirnaktivitäten der Probanden. Sie stellten fest, dass die zum Belohnungszentrum gehörenden Gehirnareale Insula und das ventrale Striatum aktiv wurden. Diese Areale waren auch aktiv, als die teilnehmenden Studentinnen erfuhren, dass sie das Geld bekommen würden.

Auch bei der freiwilligen Spende von Geld waren diese Areale aktiv. Das überraschte die Wissenschaftler. Scheinbar spielen beim Spenden sowohl der reine Altruismus (= Selbstlosigkeit; Ersatz für die christliche Nächstenliebe) als auch der so genannte Warm-Glow-Effekt eine Rolle. Der Warm-Glow-Effekt löst beim Akt des Spendens ein positives Gefühl seitens des Spenders aus. Beim Altruismus hingegeben basiert die Befriedigung ausschließlich auf der Tatsache, dass der betreffende Adressat dann mehr Geld zur Verfügung hat, je höher die Spende ausfällt. Beim freiwilligen Spenden indes sind die Hirnreaktionen am stärksten. Das bedeutet, dass Menschen, die auf eigene Vorteile verzichten und keine Belohnung für ihr Spendenverhalten erwarten, glücklicher leben.

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